Die Enzyklika 'Centesimus annus' ist eine tiefgründige Ethik der Wirtschafts-, Gesellschafts- und Staatspolitik für die heutige Zeit. Papst Johannes Paul II. kennt sehr wohl die aus der Ursünde stammenden Schwächen des Menschen, die jede Hoffnung auf eine vollkommene, paradiesische Gesellschaft zunichte machen, weshalb er dem Eigeninteresse einen besonderen Stellenwert in der Gesellschaft zuerkennt (25). Er ist aber der Überzeugung, dass die Vernachlässigung von menschlichen Werten und sittlichen Grundnormen im sozialen Leben auf längere Frist sich rächt. Er vertritt eine Naturrechtlslehre, gemäß der moralischen Normen, die ins Gewissen des Menschen eingeschrieben sind, so dass sich irgendwann und irgendwo im sozialen Raum eine Reaktion gegen die Misskennnung solcher Normen regt.